ADAC Kreditkarte im Test: Kosten, Pakete und die Solaris-Frage

Die ADAC Kreditkarte wirbt mit Tankrabatt, Reiseleistungen und dem guten Namen des Automobilclubs.

Die ADAC Kreditkarte wirbt mit Tankrabatt, Reiseleistungen und dem guten Namen des Automobilclubs. Seit dem Wechsel zum Berliner Bankpartner Solaris SE ist sie allerdings umstritten: Kunden klagen über Service-Probleme, und die Konditionen können mit kostenlosen Karten oft nicht mithalten. Unser Test zeigt, was die ADAC Kreditkarte kostet, welche Zusatzpakete sich lohnen und wo du ehrlicherweise besser fährst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die ADAC-Kreditkarte ist eine Visa der Solaris SE und nur für ADAC-Mitglieder erhältlich, die Mitgliedschaft kostet ab rund 54 Euro im Jahr.
  • Im ersten Jahr kostenlos, danach fällt eine Jahresgebühr von 22,80 Euro an (1,90 Euro monatlich).
  • Extras wie Tankrabatt oder Reiseversicherungen stecken in den Zusatzpaketen Sparen, Schutz und Reise für 3,90 bis 9,90 Euro monatlich.
  • Bargeld abheben (3 Prozent, mindestens 7,50 Euro im Inland) und das Fremdwährungsentgelt von 1,75 Prozent machen sie im Ausland teuer.
  • Seit der Migration zu Solaris im Herbst 2024 häufen sich Beschwerden über Kundenservice und Betrugsfälle, die BaFin schaut genauer hin.

Was ist die ADAC Kreditkarte?

Die Kreditkarte des ADAC ist eine Visa Card mit flexibler Rückzahlung, also eine echte Kreditkarte mit Revolving-Funktion. Herausgeber ist seit September 2024 die Solaris SE, ein Berliner Fintech mit Banklizenz. Zuvor lief das Programm jahrelang über die Landesbank Berlin (LBB), damals noch als Mastercard. Rund 1,3 Millionen Kartenverträge wurden auf die neue Plattform migriert.

Voraussetzung: Du musst Mitglied im ADAC sein. Ohne Mitgliedschaft bekommst du die ADAC-Kreditkarte nicht, was bei der Rechnung oft untergeht, denn zur Kartengebühr kommen mindestens etwa 54 Euro pro Jahr für den Club dazu. Wer nur eine günstige Visa sucht, findet im Kreditkartenvergleich passendere Angebote.

Was kostet die ADAC Kreditkarte?

Im ersten Jahr ist die ADAC Kreditkarte kostenlos, danach werden 1,90 Euro monatlich fällig, also 22,80 Euro pro Jahr. Dazu kommen diese Gebühren im Alltag, Stand Juli 2026:

  • Abheben von Bargeld: 3 Prozent des Betrags, mindestens 7,50 Euro im Inland und 5 Euro im Ausland.
  • Fremdwährungsgebühr: 1,75 Prozent auf Zahlungen außerhalb der Eurozone.
  • Zinsen: rund 15,95 Prozent effektiver Jahreszins, wenn du die flexible Rückzahlung nutzt und Umsätze in Raten begleichst. Wie Sollzinsen funktionieren, erklärt das Lexikon unter Zinsen.
  • Partnerkarte: eine kostenlose Partnerkarte für eine zweite Person im Haushalt ist erhältlich.

Damit ist die ADAC-Kreditkarte weder fürs Geldabheben noch fürs Bezahlen auf Reisen eine günstige Wahl. Gerade im Urlaub summiert sich das Auslandsentgelt schnell, mehr dazu im Ratgeber Kreditkarte im Urlaub.

Die Zusatzpakete: Sparen, Schutz, Reise und Platin

Ihre eigentlichen Leistungen verkauft die ADAC Kreditkarte über vier optionale Zusatzpakete, die monatlich extra kosten:

  • Paket Sparen (4,90 Euro): 2 Prozent Tankrabatt, Rabatte auf Mietwagen des ADAC und Vorteile bei Online-Einkäufen über Partner.
  • Paket Schutz (3,90 Euro): Kartenschutz, Selbstbehalt-Versicherung und Absicherung bei Datenmissbrauch.
  • Paket Reise (5,90 Euro): Versicherungen wie Auslandskranken- und Reiserücktrittsschutz für dich und mitreisende Personen.
  • Paket Platin (9,90 Euro): alle Leistungen zusammen.

Rechne ehrlich nach, bevor du buchst: Das Paket Platin summiert sich auf fast 119 Euro pro Jahr, zuzüglich Jahresgebühr und Mitgliedschaft. Für dieses Geld gibt es anderswo eine Gold Kreditkarte mit vergleichbaren Versicherungen ohne monatliche Paketkosten. Nur wer die Leistungen wie Mietwagen-Rabatte intensiv nutzen kann, holt den Preis wieder herein.

Tankrabatt: lohnt er sich wirklich?

Der Tankrabatt ist das Zugpferd der Werbung, fällt aber kleiner aus, als viele denken. Die 2 Prozent gelten nur für Tankumsätze bis 150 Euro im Monat. Maximal sparst du also 3 Euro monatlich, während das Paket 4,90 Euro verlangt. Der Rabatt allein rechnet sich damit nie, er ist nur in Kombination mit den übrigen Paketleistungen ein Argument. Lässt sich mit der ADAC-Kreditkarte also wirklich Geld sparen? Beim Tanken realistisch betrachtet: kaum.

Der Bankpartner Solaris: die Probleme ehrlich eingeordnet

Zur Wahrheit über die ADAC Kreditkarte gehört der Blick auf den neuen Bankpartner. Die Migration von der LBB im Herbst 2024 lief holprig: App-Ausfälle, lange Wartezeiten beim Service und Kreditrahmen, die ohne Vorwarnung gekürzt wurden. Ende Oktober 2025 folgte ein mehrtägiger IT-Ausfall. Dazu berichten betroffene Personen von Betrugsfällen, bei denen Erstattungen erst nach Wochen oder gar nicht bearbeitet wurden, das Handelsblatt und Verbraucherschützer haben die Fälle dokumentiert.

Auch die Finanzaufsicht ist aufmerksam geworden: Die BaFin verhängte 2024 ein Bußgeld von 6,5 Millionen Euro wegen verspäteter Geldwäsche-Verdachtsmeldungen und prüft den Umgang mit Betrugsfällen. Der ADAC selbst meldet die Migration als erfolgreich abgeschlossen und hält an Solaris fest. Die Karte wird also weiter aktiv angeboten, du solltest die Servicerisiken aber kennen, bevor du dich bindest.

Vorteile der ADAC Kreditkarte und ihre Nachteile

Auf der Habenseite stehen die weltweite Visa-Akzeptanz, kontaktloses Bezahlen mit Apple Pay und Google Pay, die flexible Rückzahlung und die clubtypischen Extras aus den Paketen, vom Mietwagen bis zu den Versicherungen. ADAC Mitglieder, die diese Leistungen ohnehin nutzen, bekommen ein rundes Gesamtpaket.

Die Nachteile wiegen allerdings schwer: Jahresgebühr ab dem zweiten Jahr, hohes Entgelt fürs Abheben von Bargeld, Fremdwährungsgebühr, teure Zusatzpakete und die anhaltenden Solaris-Probleme. Rein rechnerisch schneidet eine kostenlose Kreditkarte in fast jedem Szenario besser ab.

Alternativen zur ADAC Kreditkarte

Wenn dich vor allem eine günstige Visa fürs Bezahlen und Reisen interessiert, gibt es starke kostenlose Alternativen: die Hanseatic Bank GenialCard, die easybank Visa (früher Barclays Visa), die Bank Norwegian Visa oder die Advanzia gebührenfrei Mastercard Gold mit Reiseversicherungen ohne Jahresgebühr. Mit allen kannst du weltweit gebührenfrei bezahlen, die Details vergleichst du im Ratgeber kostenlose Kreditkarte oder direkt im Kreditkartenvergleich.

Beantragung der ADAC Kreditkarte

Die Beantragung der ADAC Kreditkarte läuft online über den Club beziehungsweise das Kreditkarten-Banking von Solaris. Du musst Mitglied sein, ein deutsches Girokonto haben und eine ausreichende Bonität mitbringen, die per Schufa geprüft wird. Nach der Identifizierung per Video-Ident dauert es in der Regel ein bis zwei Wochen, bis die Visa Card per Post ankommt. Verwaltet wird sie über die Kreditkarten-App, dort aktivierst du auch Apple Pay oder Google Pay und steuerst die Rückzahlung, am besten auf vollständigen monatlichen Ausgleich, um die hohen Zinsen zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

Muss ich Mitglied im ADAC sein, um die Kreditkarte zu beantragen?

Ja, die Karte gibt es nur für ADAC Mitglieder. Die Mitgliedschaft startet bei rund 54 Euro jährlich und kommt zur Kartengebühr dazu.

Was kostet die ADAC Kreditkarte im Jahr?

Im ersten Jahr nichts, danach 22,80 Euro (1,90 Euro monatlich). Zusatzleistungen wie Tankrabatt oder Reiseversicherungen gibt es je nach Paket für weitere 3,90 bis 9,90 Euro im Monat.

Welche Bank steht hinter der ADAC Kreditkarte?

Seit September 2024 die Solaris SE aus Berlin, davor die Landesbank Berlin. Mit dem Wechsel wurde aus der Mastercard eine Visa. Die Migration sorgte für erhebliche Service-Probleme, die BaFin beobachtet den Anbieter.

Lohnt sich der Tankrabatt der ADAC Kreditkarte?

Für sich genommen nicht. Der Rabatt gilt nur bis 150 Euro Tankumsatz monatlich, maximal 3 Euro Ersparnis, während das Paket Sparen 4,90 Euro verlangt. Er lohnt sich nur, wenn du auch die übrigen Paketleistungen nutzt.

Ist die ADAC Kreditkarte fürs Ausland geeignet?

Nur bedingt. Außerhalb der Eurozone fällt das Fremdwährungsentgelt an, Bargeldabhebungen schlagen mit 3 Prozent zu Buche, mindestens 5 Euro. Reisekarten ohne diese Gebühren sind im Urlaub deutlich günstiger.

Wie lange dauert es, bis die ADAC Kreditkarte ankommt?

Nach Antrag und Video-Identifizierung meist ein bis zwei Wochen. Die PIN kommt separat, die Verwaltung läuft anschließend über die Kreditkarten-App.

Welche Alternativen zur ADAC Kreditkarte gibt es?

Kostenlose Karten wie die Hanseatic Bank GenialCard, die easybank Visa oder die Advanzia Mastercard Gold bieten bessere Auslandskonditionen ohne Jahresgebühr. Ein Vergleich mit deinem Nutzungsprofil zeigt schnell, welche Karte rechnerisch vorn liegt.

Tobias Friedrich
Geprüft von Tobias Friedrich
Gründer & Geschäftsführer der Finanzriese GmbH · § 34d GewO (IHK 2021)

„Beim Kreditkartenvergleich zählt nicht der lauteste Bonus, sondern die Summe der Kosten übers Jahr. Wir bewerten Karten nach Jahresgebühr, Auslandseinsatz und Bargeldkonditionen – transparent und unabhängig."

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