Wirecard: Was die Insolvenz 2020 für Karteninhaber bedeutete

Wirecard war einmal der Vorzeige-Zahlungsdienstleister Deutschlands, DAX-Konzern und Herausgeber zahlreicher Kreditkarten.

Wirecard war einmal der Vorzeige-Zahlungsdienstleister Deutschlands, DAX-Konzern und Herausgeber zahlreicher Kreditkarten. Im Juni 2020 brach das Unternehmen in einem der größten Bilanzskandale der deutschen Wirtschaftsgeschichte zusammen. Auf dieser Seite liest du, was damals mit den Wirecard-Karten passierte und welche Lehren du daraus für die Wahl deines Kartenanbieters ziehen kannst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Am 25. Juni 2020 stellte die Wirecard AG Insolvenzantrag, nachdem 1,9 Milliarden Euro auf angeblichen Treuhandkonten nicht auffindbar waren.
  • Kartenprodukte wie die App boon oder die mywirecard-Prepaid-Karten wurden in der Folge eingestellt.
  • Guthaben auf Karten der Wirecard Bank waren nicht Teil der Insolvenzmasse und über die deutsche Einlagensicherung geschützt.
  • Der Strafprozess gegen Ex-Vorstandschef Markus Braun läuft seit Dezember 2022 vor dem Landgericht München und befindet sich 2026 in der Endphase.

Was war Wirecard?

Die Wirecard AG aus Aschheim bei München wickelte weltweit Kartenzahlungen für Händler ab. Über die Tochter Wirecard Bank AG, die seit 2006 eine deutsche Banklizenz besaß, gab der Konzern auch eigene Karten heraus: die virtuelle Bezahl-App boon, Prepaid-Karten wie mywirecard und mycard2go sowie White-Label-Karten für andere Marken. Selbst der Bezahldienst mpass der Mobilfunkanbieter lief über Wirecard-Technik. 2018 stieg die Aktie in den DAX auf und verdrängte ausgerechnet die Commerzbank.

Wie die Insolvenz ablief

Journalisten der Financial Times hatten schon Jahre zuvor über Unregelmäßigkeiten berichtet. Am 18. Juni 2020 verweigerte der Wirtschaftsprüfer EY das Testat für die Bilanz, weil sich 1,9 Milliarden Euro auf Treuhandkonten in Asien nicht nachweisen ließen. Wenige Tage später räumte der Konzern ein, dass dieses Geld mit hoher Wahrscheinlichkeit nie existiert hat. Am 25. Juni 2020 folgte der Insolvenzantrag.

Vorstandschef Markus Braun sitzt seit Juli 2020 in Untersuchungshaft, sein Vertriebsvorstand Jan Marsalek ist bis heute flüchtig. Der Strafprozess in München läuft seit Dezember 2022 über mehr als 200 Verhandlungstage und steht 2026 kurz vor dem Abschluss.

Was Karteninhaber damals erlebten

Für Kartenkunden wurden es turbulente Wochen. Die britische Finanzaufsicht FCA fror die dortige Tochter Wirecard Card Solutions Ende Juni 2020 vorübergehend ein. Nutzer von Fintech-Apps, deren Karten über diese Tochter liefen, kamen tagelang nicht an ihr Geld. In Deutschland blieb die Wirecard Bank zwar zahlungsfähig, doch die Kartenprodukte hatten keine Zukunft mehr: boon wurde zum 3. Oktober 2020 abgeschaltet, auch die mywirecard-Karten verschwanden vom Markt.

Immerhin: Kartenguthaben bei der Wirecard Bank gehörten nicht zur Insolvenzmasse. Als deutsches Kreditinstitut unterlag die Bank der gesetzlichen Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Kunde. Wer sein Guthaben rechtzeitig abzog, verlor kein Geld. Aktionäre traf es dagegen hart, die Aktie wurde praktisch wertlos.

Woran du heute seriöse Kartenanbieter erkennst

Der Fall Wirecard zeigt, dass ein DAX-Logo allein kein Qualitätssiegel ist. Ein paar Punkte kannst du vor dem Antrag selbst prüfen. Steht hinter der Karte eine Bank mit europäischer Lizenz und gesetzlicher Einlagensicherung? Das erkennst du im Preisverzeichnis am genannten kartenausgebenden Institut. Wird die Karte von einer Bank oder nur von einem E-Geld-Institut herausgegeben? Bei E-Geld gelten andere Sicherungsregeln als bei Bankeinlagen. Und: Wie lange ist der Anbieter schon am Markt, wie transparent sind die Gebühren?

Etablierte, dauerhaft gebührenfreie Karten von lizenzierten Banken findest du im Ratgeber kostenlose Kreditkarte. Die aktuellen Konditionen aller Anbieter vergleichst du direkt im Kreditkartenvergleich auf unserer Startseite.

Häufig gestellte Fragen

Gibt es Wirecard noch?

Die Wirecard AG existiert nur noch als Gesellschaft in Abwicklung. Das operative Kerngeschäft mit der Zahlungstechnologie wurde Ende 2020 an die spanische Santander-Gruppe verkauft, die Marke Wirecard wird nicht weitergeführt.

Haben Karteninhaber bei der Wirecard-Pleite Geld verloren?

Guthaben auf Karten der deutschen Wirecard Bank waren durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt und zählten nicht zur Insolvenzmasse. Kunden konnten ihr Guthaben aufbrauchen oder sich auszahlen lassen. Verluste erlitten vor allem Aktionäre und Gläubiger des Konzerns.

Welche Kreditkarten waren von der Wirecard-Insolvenz betroffen?

Eingestellt wurden unter anderem die Bezahl-App boon, die Prepaid-Karten mywirecard und mycard2go sowie diverse Partnerkarten, die über die Wirecard Bank liefen. Auch Fintechs im Ausland, deren Karten Wirecard Card Solutions herausgab, waren zeitweise blockiert.

Was lernst du als Kunde aus dem Fall Wirecard?

Achte darauf, wer die Karte tatsächlich herausgibt und ob dahinter eine lizenzierte Bank mit Einlagensicherung steht. Vergleiche außerdem regelmäßig die Konditionen, im Rechner siehst du auf einen Blick, welche etablierten Anbieter aktuell überzeugen.

Tobias Friedrich
Geprüft von Tobias Friedrich
Gründer & Geschäftsführer der Finanzriese GmbH · § 34d GewO (IHK 2021)

„Beim Kreditkartenvergleich zählt nicht der lauteste Bonus, sondern die Summe der Kosten übers Jahr. Wir bewerten Karten nach Jahresgebühr, Auslandseinsatz und Bargeldkonditionen – transparent und unabhängig."

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