Anfang 2021 machte eine Meldung die Runde, über die auch wir damals berichtet haben: Visa wolle sich vom deutschen Online-Glücksspielmarkt zurückziehen, Mastercard werde wohl folgen. Fünf Jahre später lohnt der ehrliche Blick zurück, denn der große Rückzug kam so nicht. Stattdessen hat eine neue Rechtslage den Markt sortiert. Hier liest du, was damals wirklich passierte und welche Regeln heute für Kartenzahlungen beim Glücksspiel gelten.
Das Wichtigste in Kürze
- Der angekündigte Visa-Rückzug von 2021 betraf vor allem Zahlungen an Anbieter ohne deutsche Lizenz, dahinter stand Druck der Glücksspielaufsicht.
- Seit dem 1. Juli 2021 gilt der Glücksspielstaatsvertrag 2021, seit 2023 überwacht die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) den Markt.
- Bei lizenzierten Anbietern sind Einzahlungen per Visa heute normal möglich. Die Mitwirkung an Zahlungen für unerlaubtes Glücksspiel bleibt dagegen verboten.
- Das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat wird zentral über das System LUGAS kontrolliert.
- Glücksspiel auf Kreditrahmen ist Spielen mit geliehenem Geld, davon raten wir unabhängig von der Rechtslage ab.
Die Meldung von 2021 im Rückblick
Der Zeitpunkt der damaligen Ankündigung war kein Zufall. Deutschland stand kurz vor dem neuen Glücksspielstaatsvertrag, ein Großteil der Online-Casinos operierte in einer Grauzone mit ausländischen Lizenzen. Die Glücksspielaufsicht, federführend das Land Niedersachsen, erhöhte den Druck auf Zahlungsdienstleister, denn die Mitwirkung an Zahlungen für unerlaubtes Glücksspiel war und ist nach Paragraf 4 des Staatsvertrags verboten. PayPal hatte sich schon Ende 2018 aus dem deutschen Casino-Geschäft verabschiedet, Visa kündigte Konsequenzen an und riet Partnern, die Zusammenarbeit mit unlizenzierten Anbietern zu beenden.
Ein kompletter Abschied vom Glücksspielmarkt wurde daraus nicht. Recherchen zeigten schon damals, dass einzelne Anbieter weiter Visa-Einzahlungen akzeptierten. Und mit der neuen Lizenzstruktur entfiel der Grund für einen Totalrückzug: Wo Glücksspiel legal ist, dürfen auch Kartenzahlungen fließen.
Was sich seitdem geändert hat
Zum 1. Juli 2021 trat der Glücksspielstaatsvertrag 2021 in Kraft. Er legalisierte virtuelle Automatenspiele, Online-Poker und Sportwetten bundesweit, unter strengen Auflagen. Seit 2023 vergibt und überwacht die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) in Halle die Erlaubnisse, eine offizielle Whitelist zeigt jeden legalen Anbieter.
Für Zahlungen gilt seitdem eine klare Trennung. Bei Anbietern mit GGL-Lizenz kannst du regulär per Visa einzahlen, teils auch per Mastercard, wobei manche Anbieter Auszahlungen auf die Kreditkarte einschränken. Zahlungen an illegale Anbieter blockieren Banken und Kartennetzwerke dagegen zunehmend, die GGL geht gezielt gegen Zahlungsdienstleister vor, die mitwirken.
Dazu kommt der Spielerschutz: Über das zentrale System LUGAS wird ein anbieterübergreifendes Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat überwacht, die Sperrdatei OASIS ermöglicht Selbst- und Fremdsperren. Wer sich sperren lässt, wird bei allen lizenzierten Anbietern abgewiesen.
Kreditkarte und Glücksspiel: unsere Einordnung
Interessant ist der Blick nach Großbritannien: Dort hat die Glücksspielaufsicht Einzahlungen per Kreditkarte schon im April 2020 komplett verboten, gerade weil Spielen auf Pump als besonderes Risiko gilt. Deutschland ist diesen Weg nicht gegangen und setzt stattdessen auf das LUGAS-Limit.
Wir sehen das nüchtern: Wer mit einer echten Kreditkarte einzahlt, spielt mit geliehenem Geld. Bleibt am Monatsende ein Teil der Kreditkartenabrechnung offen, fallen Sollzinsen von 15 bis 22 Prozent an, Verluste verzinsen sich dann weiter. Wenn überhaupt, dann nur mit Guthaben spielen, etwa über eine Prepaid-Kreditkarte oder eine Debitkarte, und nur bei Anbietern auf der GGL-Whitelist. Hilfe bei problematischem Spielverhalten gibt es kostenlos bei der BZgA-Telefonberatung.
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Häufig gestellte Fragen
Hat Visa sich aus dem Glücksspielmarkt zurückgezogen?
Nein, nicht vollständig. Die Ankündigung von 2021 zielte auf Zahlungen an unlizenzierte Anbieter. Seit der Glücksspielstaatsvertrag 2021 einen legalen Markt geschaffen hat, sind Visa-Zahlungen bei lizenzierten Anbietern üblich.
Darf ich in Deutschland mit Kreditkarte im Online-Casino einzahlen?
Bei Anbietern mit GGL-Lizenz ja, ein Kreditkartenverbot wie in Großbritannien gibt es hierzulande nicht. Es gilt das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat, das über LUGAS kontrolliert wird.
Woran erkenne ich einen legalen Glücksspielanbieter?
An der Erlaubnis der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder. Die GGL veröffentlicht eine offizielle Whitelist aller lizenzierten Anbieter, ein Blick dorthin dauert eine Minute und schützt vor schwarzen Schafen.
Warum lehnt meine Bank Casino-Zahlungen ab?
Manche Banken blockieren Glücksspielumsätze pauschal oder verlangen dafür ein gesondertes Entgelt, andere sperren nur Zahlungen an unlizenzierte Anbieter. Die Regeln stehen im Preis- und Leistungsverzeichnis deiner Karte.
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