Die Karte ist weiter auf dem Vormarsch: so bezahlt Deutschland heute

26. November 2020 4 Min. Lesezeit

Kreditkarten auf dem Vormarsch

Als dieser Beitrag Ende 2020 zum ersten Mal erschien, war „die Kreditkarte auf dem Vormarsch“ noch eine These. Inzwischen ist der Wandel amtlich: Nach der aktuellen Bundesbank-Studie zum Zahlungsverhalten haben die Menschen in Deutschland 2025 erstmals häufiger bargeldlos bezahlt als mit Scheinen und Münzen. Zeit für eine aktualisierte Bestandsaufnahme, mit den echten Zahlen und einer Einordnung, welche Karte dabei eigentlich vorn liegt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Laut Bundesbank-Studie „Zahlungsverhalten in Deutschland 2025″ (veröffentlicht im Juni 2026) wurden erstmals 55 Prozent aller Einkäufe bargeldlos bezahlt, Bargeld kam noch auf 45 Prozent.
  • Die Debitkarte, allen voran die girocard, bleibt mit 26 Prozent der Transaktionen das meistgenutzte unbare Zahlungsmittel.
  • Mobiles Bezahlen mit Smartphone oder Uhr legte auf 10 Prozent zu, Internetbezahlverfahren verdoppelten ihren Anteil auf 6 Prozent.
  • Die klassische Kreditkarte spielt ihre Stärken weniger an der Ladenkasse aus als online, auf Reisen und überall dort, wo Kautionen und Kreditrahmen zählen.

Die Zahlen: Bargeld verliert die Mehrheit

Die Bundesbank befragt alle paar Jahre mehrere tausend Menschen zu ihrem Bezahlverhalten. Das Ergebnis der Erhebung 2025 markiert eine Zäsur: 45 Prozent der Bezahlvorgänge liefen noch in bar, sechs Prozentpunkte weniger als 2023. Gemessen am Umsatz liegt die Debitkarte mit 28 Prozent vorn, Bargeld und Überweisungen folgen mit je 23 Prozent.

Bemerkenswert ist das Tempo beim mobilen Bezahlen. Jede zehnte Zahlung wird inzwischen mit Smartphone oder Smartwatch ausgelöst, vier Punkte mehr als zwei Jahre zuvor. Hinterlegt sind in Apple Pay und Google Pay meist Debit- und Kreditkarten von Visa und Mastercard, das Karten-Ökosystem wächst also auch dort, wo gar keine Plastikkarte mehr gezückt wird. Wie das funktioniert, liest du im Ratgeber Smartphone als Kreditkarte.

Totgesagt ist Bargeld damit nicht. Für kleine Beträge, auf Wochenmärkten und als Reserve bleibt es beliebt, und eine Mehrheit der Befragten wünscht sich weiterhin die freie Wahl beim Bezahlen.

girocard, Debitkarte, Kreditkarte: wer wächst hier eigentlich?

Der genaue Blick in die Statistik lohnt sich, denn „Kartenzahlung“ ist nicht gleich Kreditkarte. Das Arbeitstier an der deutschen Ladenkasse ist die girocard, ergänzt durch die Visa- und Mastercard-Debitkarten der Direktbanken, die Umsätze sofort vom Konto abbuchen. Die echte Kreditkarte mit monatlicher Abrechnung oder Kreditrahmen macht an der Supermarktkasse den kleineren Teil aus.

Ihre Domäne liegt woanders. Beim Onlineshopping gehört die Kreditkarte neben PayPal zu den Standardzahlarten, bei Flügen, Hotels und Mietwagen ist sie oft schlicht Voraussetzung, weil nur sie Kautionen zuverlässig abdeckt. Dazu kommen das zinsfreie Zahlungsziel und Extras wie Versicherungen, die weder girocard noch Debitkarte bieten. Die Unterschiede der Kartentypen erklärt der Ratgeber Kreditkartenarten im Detail.

Kontaktlos ist übrigens längst der Normalfall: Der Großteil aller Kartenzahlungen an der Kasse läuft per NFC, ob mit Karte oder Handy. Was technisch dahintersteckt, zeigt der Beitrag zum kontaktlosen Bezahlen.

Was der Trend für dich bedeutet

Je seltener Bargeld genutzt wird, desto wichtiger wird die Frage, welche Karte du im Portemonnaie oder in der Wallet hast. Drei Gedanken dazu:

  • Akzeptanz: Visa und Mastercard funktionieren im In- und Ausland nahezu überall, auch dort, wo die girocard nicht weiterhilft.
  • Kosten: Zwischen den Karten liegen Welten, von dauerhaft gebührenfrei bis zu Jahresgebühr plus Auslandsentgelten. Eine kostenlose Kreditkarte reicht für die meisten Alltagsprofile.
  • Kontrolle: Wer zur Kreditkarte mit Teilzahlung greift, sollte die Vollzahlung aktivieren, sonst wird der Vormarsch der Karte zum Vormarsch der Zinsen.

Welche Karte zu deinem Bezahlverhalten passt, findest du in wenigen Minuten im Kreditkartenvergleich heraus, mit aktuellen Konditionen zu Jahresgebühr, Bargeld und Auslandseinsatz.

Häufig gestellte Fragen

Wird Bargeld in Deutschland abgeschafft?

Nein. Die Bundesbank betont regelmäßig, dass Bargeld verfügbar bleiben soll, und fast die Hälfte aller Einkäufe wird weiter bar bezahlt. Der Trend geht aber klar Richtung Karte und Smartphone.

Was ist der Unterschied zwischen girocard und Kreditkarte?

Die girocard ist eine Debitkarte deutscher Banken, die direkt vom Girokonto abbucht und vor allem im Inland funktioniert. Eine Kreditkarte von Visa, Mastercard oder American Express wird weltweit akzeptiert und bietet je nach Typ Kreditrahmen, zinsfreies Zahlungsziel und Zusatzleistungen.

Brauche ich überhaupt noch eine echte Kreditkarte?

Für den Wocheneinkauf nicht zwingend. Sobald du aber online buchst, verreist oder einen Mietwagen nimmst, ist eine echte Kreditkarte die zuverlässigste Lösung, viele gute Karten kosten dabei keine Jahresgebühr.

Tobias Friedrich
Geprüft von Tobias Friedrich
Gründer & Geschäftsführer der Finanzriese GmbH · § 34d GewO (IHK 2021)

„Beim Kreditkartenvergleich zählt nicht der lauteste Bonus, sondern die Summe der Kosten übers Jahr. Wir bewerten Karten nach Jahresgebühr, Auslandseinsatz und Bargeldkonditionen – transparent und unabhängig."

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